Gestaltpsychologie

Gestaltpsychologie & UX Design

incad Allgemein


Heutzutage ist es immer wichtiger auf die Bedürfnisse und das Verhalten der Nutzer einzugehen. Als UX Designer trägt man hier eine große Verantwortung. Damit diese Anforderungen erfüllt werden können ist es unter anderem auch entscheidend die Gestaltgesetze in der Wahrnehmungspsychologie zu verstehen. Im folgenden Artikel gehen wir darauf etwas genauer ein.

Geschichte der Gestaltgesetze

Die Gestaltgesetze wurden Anfang des 20. Jahrhunderts von Max Wertheimer entwickelt, welche von Stephen Palmer später um 3 Gesetze erweitert wurden. Diese lassen wir in unserem Artikel außen vor. Diese behandeln die Thematik der Wahrnehmung, Wahrnehmungserfahrungen und Muster der Stimulation im Bereich der Psychologie. Die Gestaltpsychologie dreht sich kurz gesagt um ein bestimmtes Zitat: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“ – Kurt Koffka

Dieser Satz besagt, dass der Mensch im ersten Schritt das Ganze wahrnimmt, bevor die einzelnen komplexen Elemente gesehen werden.

Als Designer können wir das gezielt im UX Design nutzen, um das Nutzererlebnis zu steigern und den „Blick“ der Zielgruppe bewusster steuern.

Grundregeln der Gestaltgesetze

1. Emergenz

Die Emergenz beschreibt die Bildung von komplexen Mustern durch einfache Regeln im Bereich der Wahrnehmung. Wenn wir ein Objekt sehen und versuchen es zu identifizieren, fokussieren wir zuerst die Umrisse. Diesen Umriss vergleichen wir dann mit uns bereits bekannten Formen und Gegenständen, bis wir etwas passendes gefunden haben. Erst nach diesem Schritt versuchen wir die Teile zu erkennen, die das Gesamtobjekt ausmachen.

Tipp: Bei der Gestaltung von Werbemittel oder Webseiten immer daran denken, dass einfache Objekte schneller wahrgenommen und effektiver kommunizieren können. Detaillierte Objekte mit schwer erkennbaren Konturen sind hingegen hinderlich.

2. Reifizierung

Dieser Aspekt der Wahrnehmung behandelt die Thematik von Objekten, die mit mehr räumlichen Informationen wahrgenommen werden, als tatsächlich vorhanden. Wenn wir nach vertrauten Mustern in unserem Gedächtnis suchen, finden wir nicht immer eine Übereinstimmung. Stattdessen suchen wir nach ähnlichen bekannten Objekten und ergänzen die neuen Informationen. Das bedeutet, dass man die Linie eines Kreises beispielsweise nicht vollständig durchziehen muss, damit unser Gehirn erkennt, dass es ein Kreis ist.

Tipp: Als Designer kann man sich das zu Gute machen und so simple Objekte spannender gestalten.

3. Multistabilität

Multistabilität thematisiert die Tendenz Objekte zweideutig wahrzunehmen. Sie kennen sicher die Bilder, bei denen sie zwei unterschiedliche Dinge sehen können. Beispielsweise die Vase, die auch als zwei Gesichter gesehen werden kann (siehe Bild rechts). Man kann zwar nicht beide zugleich sehen, allerdings springt man zwischen den verschiedenen Wahrnehmungen hin und her. Eine Darstellung ist normalerweise dominanter. Mit der Zeit wird es dadurch schwieriger das zweite Objekt zu erkennen.

Tipp: Im Bereich Design macht es Sinn eine gewünschte Wahrnehmungsänderung nicht auf einmal zu ändern. Am besten lassen Sie Veränderungen langsam einfließen ohne die bereits bestehenden Elemente zu löschen. So können Sie schrittweise auf die neue Alternative wechseln.

Kippbild Vase

4. Invarianz

Die Invarianz beschreibt die Eigenschaft Objekte, die trotz Rotation, Translation oder Skala richtig wahrnehmen zu können.. Mit der Zeit haben wir eine Fähigkeit entwickelt, dass wir trotz eines unterschiedlichen Erscheinungsbildes, Objekte aus verschiedenen Perspektiven richtig erkennen können.

Tipp: In der Gestaltung ermöglicht uns das eine relativ freie Anordnung und Drehung von Objekten. Allerdings sollte man immer aufpassen es nicht zu übertreiben, da sonst Objekte trotzdem nicht mehr identifiziert werden können.

Wirkung der Gestaltgesetze im UX Design

1. Das Gesetz der Nähe

Wenn gleiche Elemente in geringem Abstand stehen werden diese als zusammengehörig wahrgenommen. Beachten wir eine klare Struktur und visuelle Hierarchie, können Nutzer schneller reagieren und finden sich zurecht.

Gesetz der Nähe
Gesetz der Nähe

2. Das Gesetz der Ähnlichkeit

Objekte, die sich ähnlich sehen, werden eher als zusammengehörig empfunden als unähnliche. Die Art der Ähnlichkeit ist egal (Form, Farbe etc.). Eine konsistente Verwendung von Elementen ist daher entscheidend im UX Design.

Gesetz der Ähnlichkeit
Gesetz der Ähnlichkeit

3. Das Gesetz der Einfachheit

Elemente die eine einfache Struktur aufweisen und einprägsam sind werden bevorzugt wahrgenommen. So werden beispielsweise übereinander gelegte Elemente eher als einzeln wahrgenommen anstatt einer komplexen Form.

Gesetz der Einfachheit

4. Das Gesetz der guten Fortsetzung

Wenn wir Linien sehen folgen wir immer dem einfachsten Weg. Kreuzen sich beispielsweise zwei Linien gehen wir nicht davon aus, dass diese einen Knick machen. Wir sehen weiterhin zwei gerade Linien.

Gesetz der guten Fortsetzung

5. Das Gesetz der Geschlossenheit

Objekte, die eher geschlossen als offen wirken, werden tendenziell eher als Figur wahrgenommen. Ebenso werden komplexe Elemente mit fehlenden Teilen (unterbrochener Kreis) ausgefüllt.

Gesetz der Geschlossenheit

6. Das Gesetz des gemeinsamen Schicksals

Wenn sich Objekte in die gleiche Richtung bewegen, also sich gleich verändern, werden diese als zusammengehörig wahrgenommen.

Gesetz des gemeinsamen Schicksals

Fazit

Grundsätzlich sind diese Gestaltgesetze ein wesentlicher Bestandteile in der Gestaltung. Während des Designprozesses machen wir uns die Prinzipien der Wahrnehmungspsychologie oft unbewusst zu Nutze. Wenn wir uns dieser Gesetze im Klaren sind können wir sie auch erfolgreich für die Erreichung von Unternehmenszielen einsetzen.

Quellen

https://blog.intellyo.com/content-marketing/ux-and-psychology-go-hand-in-hand-how-gestalt-theory-appears-in-ux-design?ref=webdesignernews.com
http://www.pharmacon.net/2009/08/wertheimer-3/
https://www.smashingmagazine.com/2014/03/design-principles-visual-perception-and-the-principles-of-gestalt/

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